amanita 20121016 1044049353Spielzeit 2001/2002


Schauspiel von Ingo Sax
Regie: Katharina Butting a.G.


Inhalt
Amanita hat nach dem Tod ihres Vaters nicht mehr gesprochen. Sie bleibt allein in ihrer Welt, in die nicht einmal eine Psychologin Einlass findet. Erst ein junger Zivildienstleistender erkennt das tragische Geheimnis der Kranken, aus dem sie sich durch tastende Erzählungen zu befreien versucht: den Missbrauch durch den Vater - und einen Mord ...


Der Autor
1940 in Hamburg geboren zu sein, bedeutete für Ingo Sax: Vater im Krieg, Mutter allein, Evakuierung nach Schlesien und Flucht von dort. Einquartierung in Schleswig-Holstein bei einem Bauern. Rückkehr in ein beengtes Behelfsheim. Steckrübenwinter, selbstgekochter Sirup und Stubbenroden mit dem Großvater. Schon während der Schulzeit wuchs seine Sehnsucht nach der weiten Welt. Er las die Abenteuerromane von Jack London und Joseph Conrad, die seine Träume füllten.

Der Wunsch, ebenfalls zur See zu fahren, ließ ihn nicht mehr los. Nach der Mittleren Reife Schlosser zu lernen und anschließend Maschinenbau zu studieren, war deshalb eigentlich konsequent. Als ihm jedoch Fahrensleute über die heutigen Verhältnisse auf See berichteten, musste Sax seine romantischen Träume von der Christlichen Seefahrt begraben. Mit den Erlebnissen eines Joseph Conrad hatte das nichts mehr zu tun. Aber die weite Welt lockte noch immer, und nach Beendigung des Studiums erlag Sax der Versuchung. Er machte den LKW-Führerschein und beförderte drei Jahre die unterschiedlichsten Waren durch Europa, um auf diese Weise "die Luft der Freiheit zu schnuppern". Doch diese "Freiheit" bedeutete vor allem unüberwindlichen Termindruck, der auf dem Rücken der Fahrer ausgetragen wurde.

Eine dieser Touren allerdings sollte Sax' Leben verändern. Die Erlebnisse seiner führen Kindheit - der Krieg und die Folgen - hatten sein Fähigkeit zu sprechen erschüttert. Er war Stotterer geworden. Auf einer seiner Fahrten nun nahm Sax einen grauhaarigen Tramper mit, der sich als Psychoanalytiker entpuppte. Dieser Arzt, der aus purem Spaß mit dem Rucksack durch die Lande zog, nahm sich seines Chauffeurs an und kochte dessen Seele aus. Ein befreundeter Schauspieler tat das Übrige und bügelte Sax' Sprache auf. Vorbei war die Zeit, als er Schweißausbrüche bekam, wenn er jemanden ansprechen wollte. - "Dat gifft so veel Lüüd, de sitt jüst so in den Schiet, as dur freuher. Kannst du nicht wat lehrn, dat du jüm hölpen kannst?" fragte Sax' Großvater den kurierten Enkel. Und der tat's. 1965 nahm er ds Studium der Sozialpädagogik und Psychologie auf, das er fünf Jahre später abschloss. Danach leitete Sax die Kurse für Kunst- und Werkerziehung an einer Hamburger Schule für Behinderte.

Zum Schreiben kam er eher zufällig, denn seine ersten Geschichten entstanden als Fingerübung, während er fürs Studium Schreibmaschine lernte. 1984 produzierte Radio Bremen sein erstes plattdeutsches Hörspiel. - Bekanntgeworden ist Sax aber vor allem als Theaterautor. Das begann in der Spielzeit 1985/86 mit der Uraufführungs eines Stückes "Blifft allns in de Familie" am Hamburger Ohnsorg-Theater. Weitere Komödien folgten; 1988 wurde "Güstern eerst un morgen wedder" in Kiel uraufgeführt. Hierin behandelt Sax ein Kapitel deutscher Vergangenheit am Beispiel von Dorfbewohnern, die nationalsozialistische Verbrechen an Sinti und Roma in ihrem Dorf erfolgreich verdrängen konnten. Mit "Amaretto" (1989) machte Ingo Sax seinen ersten Ausflug ins Krimi-Milieu. Danach stellte er mit "Amanita" die psychologische Studie einer "Zwangsschweigerin" vor. Für dieses Stück wurde ihm beim Autorenwettbewerb des Niederdeutschen Bühnenbunds Niedersachen/Bremen der erste Preis zugesprochen.

Ingo Sax gehört heute zu den besten plattdeutsch schreibenden Autoren. Er hat der niederdeutschen Theaterliteratur neue Impulse gegeben und immer wieder neue Inhalte zum Thema seiner Stücke gemacht. Für diese Verdienste wurde er am 22. September 1991 mit dem Fritz-Reuter-Preis der Hamburger Stiftung F.V.S ausgezeichnet. Ferner beschäftigt sich Ingo Sax gekonnt mit der Bearbeitung von Märchen- und Sagenstoffen, die sich allesamt durch eigenwillige Originalität auszeichnen. (Text: VVB)


Mitwirkende

Amanita- Insa Schmidt
Ihre Mutter- Jutta Löhndorf
Pastorin- Claudia Siemsen
Zivi- Thomas Bosch

Premiere: Freitag 22. Februar 2002


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